sonnenlicht bei der landung um elf uhr abends in sankt petersburg. klar und hell. fahrt im auto, meilenweit geradeaus an riesigen gebäuden und sowjetischem siegesdenkmal vorbei. durch die innenstadt, fröhlich warmbunte gebäude. menschen überall. dann buchungschaos im hotel: zuerst luxussuite und nachher zeltplatzzimmer. aber beides mit charakter, zwar auch pastell, aber nicht hotelstyle. zum frühstück immer quarkomeletten. super.
spazieren durch die stadt. vermeintlich touristisch. aber irgendwie nicht, vor allem russische touristen. unaufdringliche stadtrundfahrtenanpreiser. überall auch alltagsnormalität. kristallleuchter-dekoration allgegenwärtig. aber nicht wirklich kitschig, irgendwie. nie das gefühl von armut. nie unangenehme erdrücktheit, selbst in grossen menschenmassen. friedlich und schön, irgendwie. selbst zur stosszeit in der metro, wo sich körper an körper drückt. überraschend die disziplin, mit der man sich stehend am rechten rand der rolltreppen hält, um die runterrennenden menschen auf der linken seite durchzulassen. überhaupt die metro. die rolltreppen. ellenlang. nicht absehbares ende. sauschnell. glänzendes metall. davoneilende handläuft. werbelautsprecher. die stationen unten in präziser schlichtheit wunderschön.
das meer: der finnische meerbusen. mit plattenbauten an der küste, nicht heruntergekommen. also nicht sehr. windig, klar und blau. die erkenntnis, dass ich vor knapp zwei jahren zum letzten mal am meer war. ewig ist’s her. – tragflächenboot bei windstärke irgendwie gross (mit schaumkronen. und wohl grösser als drei, mehr kann ich als definitive nichtseglerin nicht sagen dazu). u-boot artiges gefährt. kleiner ausguck um die meeresluft im gesicht zu spüren.
bier trinken in bars im keller, sich dabei über mathematik unterhalten. um mitternacht rauskommen, um zu sehen, dass es noch taghell, fast sonnenschein ist. sich fragen, warum es keine bars mit tageslicht gibt, und nur glaskabinen als sogenannte strassenkaffees, mit heizung.
sich über das wetter wundern. zwanzig grad maximal. wind und kleinere regengüsse alleweil. frieren, vor allem nachts. alle pullover die dabei sind aufs mal tragen. und die sommerkleider immer weiter nach unten in die untiefen des koffers rutschen lassen.
staunen, wie weit mein russisch reicht. zum ersten mal irgendwo sein und merken, wie sehr sich die menschen über das eigene bemühen freuen, auch nur wenige worte in ihrer sprache zu sprechen. die absicht, mehr russisch zu lernen, vor oder während dem nächsten mal russland, als logische konsequens festlegen.
unmengen von schwarztee trinken. ohne milch, mit zucker und eventuell zitrone, ist klar.
stundenlang auf den allgegenwärtigen flachfernsehern in cafes und bars musikvideos von billigmusik schauen und sich drüber freuen. auch gut: musikvideos mit nicht passender radiomusik.
die bürokratie nicht mitbekommen und die schwierigkeiten beim einreisen, umsteigen und ausreisen als räubergeschichten deklarieren.
thesen über russinnen aufstellen. und den russischen präsidenten.
dann moskau. zunächst der grosse fehler, mangels vorbereitung: roter platz. muss man doch gesehen haben, sagt man. es erschlägt einem aber vor touritischheit. gruppen, so weit das auge reicht. dann noch sowas obertouristisches. und dann der spontane beschluss, die andere hauptstadt war viel schöner. dann metrofahren. sich mit der dekoration anfreunden und sich begeistern lassen. dann irgendwo aussteigen. normal strasse, läden, cafes. rumspaziern. langsam aber sicher realisieren, dass auch diese stadt wunderschön ist. nicht nur touristisch. und auch nicht sowjetisch-düster, wie man sie irgendwie im hinterkopf hatte. sondern sonnenhell und licht. eine grossstadt, im unterschied zu peterburg. der vorsatz, irgendwann einmal länger hierherzukommen, um die stadt wirklich zu erfassen, was wohl nur so möglich ist, genauso wie in berlin.